...auf unserer Motorradreise durch
Marokko sind wir wohl endgültig vom Fernreisevirus gepackt worden. Die
Eindrücke und Erlebnisse sind immer noch so frisch wie kurz nach der Rückkehr.
Einen gekürzten Reisebericht
gibt es übrigens hier.
Ein wichtiger Aspekt für die weiteren Gedankengänge war, daß ich (Judith) zum damaligen Zeitpunkt noch erhebliche Probleme mit dem Geländefahren hatte. Sobald loser Untergrund kam, am besten noch in Verbindung mit starkem Gefälle und tiefen Abgründen, brach mir schon wieder der Angstschweiß aus. Zum Glück hat sich das inzwischen schon wesentlich verbessert und ich habe mittlerweile mächtig Spaß am Geländefahren. (Wichtigstes Event dabei war bisher die Teilnahme an der Enduromania in Brebu Nou 2003 mit dem Big-Rallyeteam.)
Wir beide wollten aber unbedingt noch einmal die ganzen Pisten befahren, die wir wegen mir auslassen mussten - so musste eine Alternative her. Das Land, die Menschen und die Wüste hatten uns völlig für sich eingenommen. Man liebt sie oder man hasst sie - dazwischen gibt es nichts.
So kam es, daß Ralf nach Alternativen zu einer Motorradreise suchte. Er verbrachte Stunden, Tage, Wochen im Internet und wühlte sich durch zig Seiten zu dem Thema. Zunächst interessierte er sich für Landrover in allen Varianten. Wichtig für uns war jedoch, daß wir mit so einem Fahrzeug völlig autark sein konnten, schlafen, kochen etc. www.mobile.de bot natürlich eine Riesenauswahl an Fahrzeugen. So kam es recht schnell, daß das in Frage kommende Fahrzeug immer größer wurde und es ging in Richtung "geländetauglicher LKW". Man "ver-linkte" sich in diverse Offroad- und Reiseforen und kam irgendwann zum IFA. Diese Fahrzeuge stammten oft aus NVA-Beständen der ehemaligen DDR, wurden nach der Wende für kleines Geld weiterverscherbelt und eine Menge davon "wühlen" sich heute mit zur Wohnkabine ausgebautem Aufsatz quer durch die Welt. Im passenden Internetforum, dem www.ifa-web.de, bekam Ralf eine Menge Infos zum Fahrzeug.
Es kam der Tag, an dem Ralf im Netz ein scheinbar geeignetes Fahrzeug für uns fand: ein IFA W 50, Baujahr 1980, ehemaliges Depotfahrzeug der NVA mit erst 4.000 km auf der Uhr und Kabine. Das gute Stück stand für 8.000 DM zum Verkauf. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich Ralf's Aktivitäten ja noch nicht sonderlich ernstgenommen und als er mich nun fragte, ob wir uns das Fahrzeug nicht mal ansehen sollten, dachte ich an nichts Schlimmes und sagte "ja - gucken können wir ja mal"...
An einem eklig kalten, schäbigen
Samstagmorgen im November 2001 düsten wir gen Saarland. Da stand er nun - ein
riesiges
Ungetüm
in "sahara-beige". Aber schön... irgendwie... Ich glaube, Ralf hat
sich direkt in ihn verliebt, aber kalt ließ er mich auch nicht. Man bekam schon
Fernweh, wenn man sich diesen Koloss ansah und brauchte nicht viel Phantasie um
sich vorzustellen, mit ihm durch die Sahara zu fahren.
Der Zustand war nach erster Inaugenscheinnahme ganz gut und Ralf meinte, daß sich die Kosten wohl im Rahmen halten würden. Nach ausgiebiger Besichtigung verblieben wir mit dem Besitzer so, daß wir uns die Sache über's Wochenende überlegen würden.
Wir waren keine 1 1/2 Stunden zu Hause, da hielt Ralf nichts mehr. Er wollte ihn haben! Es wurde noch ein bißchen verhandelt wobei man sich aber schnell über den Preis einig wurde.
Am 1. Dezember 2001 starteten wir
wieder mal nach Süden und so wechselte "Ifchen den Besitzer. Dank neuer
Batterie
sprang unser Kleiner sofort an und nach kurzer Einweisung und Übergabe
"hoppelte"er los. Da er so lange gestanden hatte, mussten sich die
riesigen Ballonreifen erstmal wieder "rundfahren".
Die Rückfahrt nach Köln ging problemlos vonstatten und von jetzt an hatten wir - insbesondere Ralf - eine neue Freitzeitbeschäftigung ;-)