
Tagebuch unserer Tunesienreise
13.03.03
Endlich – ungeduldig
herbeigesehnt ist endlich der Tag der Abreise gekommen. Ich arbeite bis 12.00
Uhr und düse im Tiefstflug nach Hause. Schnell noch umgezogen, die letzten
Sachen gepackt und um 12.40 Uhr geht’s los – Richtung Afrika!
Das Wetter ist traumhaft, wir
kommen wunderbar ohne Staus durch und der Dicke rennt... so daß wir um 20.00
Uhr in Basel sind. Wir parken am Zoll- und Transitgebäude auf dem
Riesen-LKW-Parkplatz und besorgen uns den Wisch für die Schwerlastabgabe in der
Schweiz.
Wir fahren noch ein ganzes Stück
hinter den Vierwaldstätter See, wundern uns schon, daß die Autobahn total leer
ist und biegen dann schließlich auf den Parkplatz „Gotthard“ ein, wo uns
gleich ein „Parkplatzzuweiser“ empfängt und uns in die Reihe der parkenden
LKW’s einreiht. Er ist sehr nett und klärt uns erstmal darüber auf, daß
Fahrzeuge über 3,5 to ab 22.00 Uhr in der Schweiz nicht mehr fahren dürfen.
Prima, wir haben jetzt 22.30 Uhr – Schwein gehabt.
Allerdings sollen wir später erfahren, daß dieser Mensch wohl nicht richtig informiert war und wir sehr wohl fahren dürfen, weil wir ja ein „Wohnmobil“ sind. Diesen Hinweis hat er allerdings ebenfalls verworfen.
14.03.03
Wir haben weiterhin eine schöne
Fahrt bei phantastischem Wetter durch die Schweizer Berge und passieren gegen
11.00 Uhr bei Chiasso die Grenze nach Italien. Auch hier keinerlei
Grenzkontrollen, was uns bei unserem Dickerchen doch wundert!
Die Weiterfahrt durch die
Po-Ebene ist wieder einmal stinklangweilig, dafür geht es die letzten 25
Kilometer bis Genua kurvig durch die Berge.
Um 14.30 Uhr kommen If’chen und wir (pannenfrei!) in Genua an. Wir fahren gleich durch zum Hafen und haben schnell die Anlegestelle der „Carthage“ gefunden. Der Hafen ist eine einzige Baustelle und die Zufahrt zum Anleger ist echt abenteuerlich.
Nachdem wir endlich einen
Parkplatz gefunden haben, verbringen wir den Nachmittag und frühen Abend in
Genua. Dabei stellen wir fest, daß die Stadt auch durchaus sehr schöne Eckchen
hat. Abends wollen wir irgendwo essen gehen, aber im Hafengebiet laufen so
zwielichtige Gestalten herum, daß wir uns entschließen, im halbwegs Hellen zum
LKW zurückzulaufen und einen Miracolitag einzulegen.
15.03.03
Nach einer ruhigen Nacht am Hafen
frühstücken wir ganz gemütlich und packen unseren „Fähren-Rucksack“. So
gegen 10.00 Uhr sehen wir die „Carthage“ gerade einlaufen. Super – es wird
pünktlich losgehen! 
Als wir fertig sind, geht’s rüber
zum Kai der Carthage. Einige Fahrzeuge stehen schon auf dem Parkplatz und in den
nächsten Stunden sollen sich noch diverse abenteuerliche Gefährte
dazugesellen:
So vergeht die Wartezeit sehr
schnell, weil man überall mal schaut und mit vielen schon ins Gespräch kommt.
Es wird über die Fahrzeuge gefachsimpelt und sich über die Reiserouten
ausgetauscht.
Ab ca. 13.00 Uhr beginnt das
Einschiffen. Bei der ganzen Laberei ist es uns glatt entfallen, die
Ausreiseformalitäten bei der ital. Polizei im Nebengebäude zu erledigen. Aber
es ist schnell gemacht und es geht auf die Fähre – wirklich ein Riesenteil!
Sie ist so groß, daß selbst unser Dickerchen ganz verloren darin wirkt.
Tja, und dann heißt es wieder
„Zeit totschlagen“. Um 16.15 Uhr legen wir ab.
Irgendwann öffnen die
„Schalter“, wo man die Einreiseformalitäten erledigen kann. Zuerst geht’s
zur „police“ und anschließend 2 Decks tiefer zur „douane“, wo das
Fahrzeug abgefertigt wird.
Danach ist es schon wieder
Essenszeit und wir kehren im Selfservice-Restaurant ein. Unsere beiden neuen
Potsdamer Freunde mit ihrem "Huckepack-Camper" kommen dazu und wir
quatschen noch eine Weile. Die Flasche Rotwein verschafft uns die nötige
Bettschwere und gegen ¼ vor 10 hauen wir uns in die Schlafsäcke. Die Nacht ist
nicht besonders erholsam, aber irgendwie geht es schon.
16.03.03
Den Vormittag kriegen wir schnell
herum. Das Wetter ist ziemlich bescheiden, aber das hatte ich für die
Jahreszeit eigentlich auch erwartet.
Kurz nach 13.00 Uhr, nach 21 Stunden
Fahrzeit, legen wir im Hafen „La Goulette“ an.
Es geht recht flott aus der Fähre
hinaus, aber wir sind etwas stutzig, als wir aus der Wagenreihe herausgewunken
werden und rechts ranfahren sollen. Wenig später kommen ein Magirus und ein
tschechischer Tatra dazu und wir erkennen, daß es an der Höhe unserer Fahrzeuge
lag. Die Jungs von der Polizei hatten einfach Angst, daß wir am Dach
hängenbleiben.
Die Abfertigung geht auch hier
wieder zügig vonstatten und gegen 14.00 Uhr rollen wir über den Damm Richtung
Tunis.
If’chen und wir in Afrika – was
für ein Gefühl! So viel Arbeit und Stress liegen hinter uns und nun ist es
endlich soweit – wir können es kaum glauben!
Die Straßenbeschilderung ist kein
Problem und wir sind schnell aus Tunis heraus – es geht Richtung Mohammedia
und dann Zaghouan.
Dort wartet prompt unser erstes
Abenteuer auf uns und wir lernen die selbstlose Hilfsbereitschaft der Menschen
hier kennen:
Eigentlich wollen wir ja nur ein Plätzchen
suchen, wo wir mal eine Kaffeepause einlegen können. Wir befahren gerade eine
Allee, die auf beiden Seiten einen recht breiten Seitenstreifen hat, der dann in
große Pfützen übergeht.
Ralf
lenkt den Dicken auf den Seitenstreifen und wie immer – muss Ralf natürlich
auch diesmal in den Dreck! Ich denke noch: „Regel Nr. 1 : fahre niemals
in Afrika in eine Pfütze, bevor Du nicht getestet hast, wie tief sie ist“!
Ich habe noch nicht zu Ende gedacht, da stecken wir auch schon im tiefen
Glitsch. Links hoch auf die Straße geht nicht mehr, also wieder zurück –
haarscharf an einem Baum vorbei – und dann mit Anlauf versuchen. Nichts! Der
Dicke hat sich schon so weit eingebuddelt im Morast, daß nichts mehr geht. Die
Fuhre steht mittlerweile bedenklich schräg im Schlamm und Ralf zückt die
Schaufel und versucht, irgendwie etwas „Festes“ vor das rechte Vorderrad zu
schaufeln, damit wir Grip kriegen. Aber auch das ist ein hoffnungsloses
Unterfangen. Es ist alles nur ein Brei!
Gerade, als wir anfangen, die
Sandbleche loszuschrauben, hält ein PkW mit 2 Tunesiern. Der Fahrer kommt auf
uns zu, begrüßt uns mit Handschlag und fragt, ob er mit seinem Handy einen LKW
rufen soll, der uns wieder herauszieht. Ich lehne dankend ab, weil das ja sicher
nur teuer werden kann, aber er meint, es würde uns nichts kosten. Ralf will es
trotzdem erst mit den Blechen versuchen und die beiden Männer packen kurzerhand
mit an. Er versucht es einige Male, aber es hat keinen Sinn. Der Dicke kommt ein
Stück voran, schiebt dann aber die Bleche beiseite und rutscht immer wieder in
die Pampe, weil er durch die Schräge kein Gewicht auf die beiden
„packenden“ Räder bringen kann.
Ich frage den Mann, ob es ein Freund
sei, dem der LKW gehärt, aber er sagt, nein, es sei seiner. Als er sieht, daß
es wirklich nicht klappt, telefoniert er.
In der Zwischenzeit ist noch eine
tunesische Familie im Geländewagen gekommen, wobei der Fahrer deutsch spricht
und anbietet, uns mit seiner Winde herauszuziehen. Wir bedanken uns und sagen
ihm, daß der andere schon den LKW gerufen hat.
Immer mehr Männer tauchen auf und
verfolgen die Aktion - es scheint weitaus aufregeder zu sein als Fernsehen!
Innerhalb von wenigen Minuten kommt auch schon der LKW und irgendwie helfen alle
mit. Unser Bergegurt kommt zum Einsatz! Nun ist es kein Problem mehr. Der andere
LKW gibt unserem Dickerchen den fehlenden Schupser nach vorne in die richtige
Richtung und schon steht er wieder auf der Straße.
Unser Retter entpuppt sich als
technischer Direktor einer Firma, der sich jetzt in einer Pfütze die Hände
wieder sauber wäscht! Mir möchten uns so gerne erkenntlich zeigen, aber
unsere extra als „cadeaux“ mitgebrachten Zigaretten finden keine Abnehmer
– vonwegen alle Tunesier rauchen! Ich kann ihm dann aber wenigstens noch eine
Packung bunter Stifte für seine Kinder in die Hand drücken. „Für alle Fälle“
gibt er uns noch seine Visitenkarte mit Mobi-Tel-Nr.
Dann kommt der LKW-Fahrer noch
einmal zurück und unser „Direktor“ palavert mit ihm herum. Der Fahrer hat
eine riesige Tüte ganz frischer, warmer Fladenbrote bei sich und zum guten
Schluss bekommen wir auf den Schreck auch noch ein Brot geschenkt. Wir bedanken
uns für alles 1000 Mal und sind hin und weg von diesem Erlebnis!
Ein paar Kilometer weiter finden wir
dann einen geeigneten Rastplatz und wir bringen erstmal das Werkzeug und die
Klamotten in Ordnung. Es ist natürlich alles total verdreckt. Als wir wieder
„klar Schiff“ haben, kochen wir endlich unseren lange geplanten Kaffee und
genießen unser köstliches Brotgeschenk.
Gegen Abend fahren wir weiter
Richtung Enfidha-Ville, dann nach Hergla und die Küstenstraße entlang Richtung
Sousse. Es wird langsam dämmrig und etwas abseits der Straße, direkt am Meer,
finden wir eine schöne Campingmöglichkeit.
Der Abend ist wunderschön – wir
machen es uns in unserer Koje gemütlich, haben die Seitenfenster offen und schlürfen
zur Feier des Tages ganz dekadent eine Flasche Sekt. Direkter Blick auf’s Meer
– herrlich. Selten so entspannt!
17.03.03
Nach dem Frühstück fahren wir am
Meer entlang weiter. Erster größerer Ort ist Port el Kantaoui, eine reine
Hotelstadt. Eine Menge „überwinternder Rentner“ spaziert die Straße
entlang.
Von hier aus geht es weiter Richtung
Sousse, wo wir uns aber auch nicht weiter aufhalten und dann nach Kairouan. Dort
kommen wir mittags an.
Mittag ist natürlich wieder eine
dumme Tageszeit, da die Geschäfte größtenteils zu machen, aber da wir ja
schon viele Medina’s gesehen haben, ist es nicht weiter schlimm.
Dafür ist die Jahreszeit perfekt!
Wenig Touris heißt wenig Schlepper. Wir haben absolut unsere Ruhe, obwohl
Kairouan in Sachen Nepp, Belästigung etc. eine der schlimmsten Städte
Tunesiens sein soll.
Nachdem wir uns eine Weile umgesehen
haben, fahren wir über Kasserine, ein hübsch gelegener Ort am Fuße des Djebel
Chambi – Massivs, weiter Richtung Gafsa. Die Fahrt geht durch
abwechslungsreiche Landschaften und am späten Nachmittag merken wir, daß die Wüste
nicht mehr weit sein kann. Immer mehr Sand liegt links und rechts der Straße.
Unser Nachtlager haben wir ca. 20 km
vor Gafsa.
18.03.03
Wir sind heute recht früh auf den
Beinen und Ralf macht einen kurzen Check am LKW. Der Diesel-Vorfilter ist mal wieder
ziemlich dicht. Um ¼ nach 9 sind wir schon auf Strecke und es geht über Gafsa
42 km weiter nach Metlaoui durch ödes, plattes Land. Dafür ist das Wetter
super!
In Metlaoui fahren wir zunächst zum
Bahnhof, um uns nach dem Zug „Lézard Rouge“ zu erkundigen, der durch die
Seldja-Schlucht fährt. Der Zug steht auch tatsächlich schon parat, ein Haufen
Touris hockt schon drin und der erste Parkplatzwächter kommt fröhlich winkend
auf uns zu. Nix gibt’s – wir wenden und werden die Schlucht zu Fuß
erkunden!
Es geht ca. 3 km hinter Metlaoui
rechts ab – ein Stück Teerstraße und dann Piste bis zu einer Häusergruppe
mit Pumpstation. Und wer kommt auf uns zu? Ein selbsternannter Parkplatzwächter
und Führer. Wir ignorieren ihn, fahren ein Stückchen weiter und stellen den
Dicken ab. Natürlich kommt er angedackelt und quatscht uns mit Deutschbrocken
voll. Wir sagen freundlich aber bestimmt, daß wir weder Führer noch Wächter
brauchen und er lässt uns überraschenderweise auch gleich in Ruhe. Na prima,
langsam haben wir’s scheinbar drauf!
Wir gehen ein Stück, da naht auch
schon der Touri-Zug.Wir folgen ihm über die Schienen und erreichen den ersten
Tunnel. Da ja nun kein Zug mehr kommen kann und es hier keinen anderen Weg gibt,
dackeln wir einfach los durch den Tunnel. Es folgt gleich noch ein zweiter und
dahinter ist eigentlich der schönste Teil der Schlucht. Hier macht auch der Zug
einen Fotostop und hat alle Passagiere ausgespuckt.
Zwei junge Tunesier sind ebenfalls
zu Fuß unterwegs und sprechen uns an, als der Zug wieder losfährt und sie
merken, daß auch wir die Schlucht zu Fuß durchwandern. Es sind beides
Studenten und ihr tägliches Fitnessprogramm besteht darin, durch die Schlucht
zu latschen.
Auf Krüppelfranzösisch unterhalten wir uns. Die beiden wollen vieles von uns
Europäern wissen und haben selbst auch viel zu erzählen. Es ist mächtig
interessant, aber natürlich auch sehr anstrengend, da wir sprachtechnisch immer
wieder an unsere Grenzen stoßen.
Wir laufen zusammen bis zum 4.
Tunnel, wo auch die Endstation des Lézard Rouge ist (dieser ist uns übrigens
schon längst wieder entgegengekommen!).
Auf dem Rückweg kommt uns auch
irgendwann der Arbeiterzug entgegen, der zu den Phosphat-Minen fährt. Das
gesamte Gebiet hier ist phosphathaltig.
Wir sind bestimmt 2 ½ Stunden
unterwegs und mir qualmen mittlerweile ganz schön die Socken.
Zurück am Wagen geben wir den
beiden noch eine kalte Cola aus und dann trennen sich unsere Wege wieder.
Wir fahren bis Metlaoui zurück, um
dann den Umweg über die Bergoasen nach Tozeur zu fahren, was sich auch als sehr
lohnenswerte Strecke herausstellt. Zunächst geht es meist über Hochebenen, die
über und über mit verschiedenen blühenden Büschen übersäht sind. Am schönsten
sind die endlosen Lavendelfelder. Wir bewegen uns hier sehr nahe der algerischen
Grenze, streckenweise sind es nur 600 mtr. Luftlinie laut GPS.
Wir fahren einen Abstecher in die
Bergoase Midès, die eine spektakuläre Schlucht zu bieten hat. Es geht über einen
sehr schmalen Fahrweg entlang bis zum Parkplatz, wo viele Andenkenverkäufer
ihre Stände haben. Aber auch hier sind die Leute sehr zurückhaltend.
Danach geht es weiter über Tamerza,
wobei die Strecke langsam richtig interessant wird. Die Straße schlängelt sich
über steile und enge Serpentinen durch die Berge und uns kommen häufig in
schneller Fahrt Touristen-Jeeps, die hierher wohl Mehrtagesausflüge
unternehmen, entgegen.
Bald lassen wir die Berge hinter uns
. Es wird wieder topfeben und wir durchqueren die erste große Salzsenke, das
Chott Er Rahim. Man sieht tiefe Fahrspuren im noch feuchten Boden und mit dem
Dicken möchten wir dort auf keinen Fall hineinfahren!
Am späten Nachmittag erreichen wir
Tozeur – DAS Touri-Nest in der Wüste und für viele Ausgangspunkt und
Sammelstelle für den Grenzübertritt nach Algerien.
Wir fahren zum Campingplatz und
treffen die halbe Fähre wieder.
Abends besuchen wir in Tozeur das
Restaurant „Le soleil“ und essen dort wirklich sehr lecker. Es gibt Salade
tunisienne, Brot mit Harissa und Couscous Merguez.
19.03.03
Wir lassen es heute gemütlich
angehen und fahren auch nicht allzu weit. Es wird mal Zeit für einen Waschtag,
so probieren wir unsere „Waschmaschine“, die Weithalstonne, aus und lassen
den ganzen Tag die Wäsche durchschütteln.
Nach
einem Abstecher über Nefta geht es zurück nach Tozeur und über die Dammstraße
durch das Chott el Jerid, den größten Salzsee. Die riesige Salzfläche strahlt
grellweiß im Sonnenlicht und sieht einfach unwirklich und faszinierend zugleich
aus. Zum Sommer hin wird die Oberfläche des
Sees vollständig ausgetrocknet sein – befahrbar ist er dann aber, zumindest für
unseren LKW, trotzdem nicht.
26 Kilometer vor Kebili biegen wir
rechts ab auf eine kleine Straße Richtung Fatnassa. Nach einem Kilometer haben
wir die „versteinerten“ Dünen erreicht. Es ist eine zauberhafte Landschaft,
all die Dünen und mittendrin ein kleiner
weißer Marabout.
Natürlich tauchen auch gleich
wieder 3 Jungs aus der Versenkung auf und nerven. Sie strecken uns gleich jeder
ihre Hände entgegen, worauf Skorpione sitzen, denen sie den Stachel gezogen
haben. Für diese "besondere Attraktion" verlangen die kleinen Gauner natürlich gleich wieder einen Dinar, den wir selbstverständlich
verweigern!
Es geht weiter Richtung Kebili über
die Nefza-Oasen und dann nach Douz, dem „Tor zur Wüste“. Dort kommen wir
gegen 15.30 Uhr an und finden auch schnell den Campingplatz „Desert Club“.
Wir spülen unsere Wäsche aus und hängen schnell alles auf. Dann gibt’s ein
Käffchen zur Belohnung.
Wie wir schon von anderen Reisenden
in Tozeur gehört hatten, kann man von hier aus schon die Genehmigung für das
Sperrgebiet beantragen. Der Campingwart spricht uns auch darauf an und bietet
seinen „Service“ an. Da der Preisunterschied minimal ist und wir so mit
Sicherheit Zeit sparen, machen wir den Deal. Allerdings nur in soweit, daß er
unser Antragsschreiben, das ich schon vorbereitet hatte, nach Tataouine faxt und
wir die fertige Genehmingung dort nur noch im Syndicat abholen müssen.
Abends machen wir einen Spaziergang
durch Douz. Morgen am Donnerstag ist großer wöchentlicher Markttag und die
meisten Stände sind bereits aufgebaut.
20.03.03
Morgens bin ich wieder mal recht früh
auf den Beinen und nutze die Gelegenheit zum Duschen. Ralf schläft noch und ich
mache anschließend einen Weck-Kaffee.
Hinter dem Campingplatz im
Palmenhain kann man schon geschäftiges Treiben auf dem Viehmarkt hören.
Dorthin zieht es uns auch gleich nach dem Wachwerdkaffee.
Der
Markt ist wunderschön mitten in der Palmenoase gelegen. Hunderte von Männern
und Jungen wuseln geschäftig dort herum – kaufen und verkaufen Schafe,
Ziegen, Pferde, Esel und sogar Kamele. Es ist eine herrliche Szenerie.
Danach spazieren wir noch über den
„normalen“ Alltags-Markt mit Kleidung, Hausrat, Lebensmitteln, Obst und Gemüse. Wir
kaufen noch 2 frische Baguettes und gehen dann zum Campingplatz zurück, um
ausgiebig zu frühstücken.
Gegen 11.00 Uhr sind wir mit allem
fertig und starten Richtung Ksar Ghilane.
Zuerst geht es über die Teerstraße
durch öde Steppe Richtung Matmata, bis wir irgendwann auf die Pipeline-Piste
stoßen. Diese verläuft parallel zur Pipeline, die algerisches Öl bis zum
tunesischen Fährhafen transportiert.
Nun ist Schluß mit lustig! Auf der
harten Wellblechpiste werden wir anständig durchgeschüttelt, stellen aber
fest, daß 50-55 km/h die beste Geschwindigkeit sind, um es halbwegs
auszuhalten.
Nach 30 Kilometern erreichen wir Bir
Soltane und fahren ein Stück abseits der Hauptpiste bis zum Brunnen. Direkt
dahinter beginnt der große östliche Erg. Es ist schon recht sandig, aber der
Dicke hat keinerlei Probleme. Ralf fährt sowieso oft neben der Piste, um zu üben,
wenn der „Ernstfall“ eintritt.
Kurz nach uns kommt ein Auto mit 3
Tunesiern, die hier ihre Wasserkanister auffüllen. Der Wagen bleibt prompt im
Sand stecken und Ralf hilft schieben. Die 3 bedanken sich sehr herzlich und freuen
sich über die Hilfe.
Weiter geht es über die
Pipelinepiste und bald schon kommt der Abzweig nach Ksar Ghilane – eine
Teerstraße! Nach 18 Kilometern ist auch dieses Stück geschafft und wir
erreichen die Oase.
Es ist noch recht früher Nachmittag
und keine Touris weit und breit.
Jetzt
gibt es natürlich kein Halten mehr – mal sehen, was If’chen im Sand kann.
Eine ganze Menge! Er rödelt durch die kleineren Dünchen wie nix und es macht
riesig Spaß. Ein Stück rechts hinter dem Camp Ghilane und dem Quell-See (der
aus einer heißen Quelle gespeist wird und herrlich warmes Wasser führt) ist
eine richtige „Spielwiese“ mit höheren Dünen. Aber hier bekommt der Dicke
doch etwas Probleme – die
Leistung
reicht einfach nicht aus. Ralf spielt noch ein bißchen herum, versucht immer
wieder eine Düne zu erklimmen und ich mache Fotos. Schließlich suchen wir uns
auf einer Anhöhe abseits der Dünen einen Platz zum Übernachten.
Später kommt noch ein Pärchen,
Helmut und Elke, die wir auch schon auf dem Campingplatz in Douz gesehen haben.
Da wir uns ja nun schon zum 2. Mal über den Weg laufen, kommen sie zu uns
herauf und stellen sich vor. Wir quasseln eine Weile und wie alle Leute bisher
sind auch sie total begeistert vom Ausbau unserer Wohnkabine.
21.03.03
Heute morgen war das Wetter so, daß
wir draußen frühstücken konnten. Herrlich in der Sonne und bei einer göttlichen
Ruhe.
Danach checkt Ralf nochmal das
Fahrzeug und ich mache "klar Schiff" im Dicken. Mit
frisch gereinigtem Vorfilter und etwas weniger Reifendruck haben wir dann auch
ohne Schwierigkeiten die Düne geschafft, an der If’chen gestern gescheitert
ist.
Hinter den Dünen spielen wir
Fahrschule. Ich fahre unser Dickerchen zum ersten Mal. Es geht auch sehr gut, er
lässt sich gut schalten und die Handhabung ist wirklich kein Prob. Mir fehlt
natürlich noch das Gefühl für die Breite und nach ein paar Kilometern, nach
Erreichen der Pipelinepiste, gebe ich das Steuer wieder ab.
Und dann geht es über Piste
Richtung Chenini. 70 Kilometer mit abschnittsweise übelstem Untergrund,
Weichsandfeldern, Felsen, Wellblech – das volle Programm. Den ganzen Tag über
kommt uns einmal eine Gruppe von 4 normalen PKW’s mit Einheimischen entgegen,
ansonsten keine Menschenseele. Wie die diese Strecke geschafft haben, ist uns
wirklich ein Rätsel!
Die Fahrspuren auf dieser Strecke
klaffen oft so weit auseinander, daß es uns an einigen Stellen schwerfällt,
die richtige Piste zu erwischen. So passt dann auch zum Schluss die Beschreibung
im Reiseführer überhaupt nicht mehr und wir müssen nach GPS fahren. Auf diese
Weise treffen wir nach einigen Kilometern auf die Teerstraße, von wo es noch 14
Kilometer bis Chenini sind. Für diese 70 Kilometer haben wir tatsächlich den
ganzen Tag gebraucht – wir kommen um 17.00 Uhr an.
Auf einem Parkplatz, von dem man
einen schönen Panoramablick auf das alte Bergdorf hat, treffen wir auf Helmut
und Elke. Die beiden machen gerade ein kleines Nickerchen. Sie sind die nördliche
Piste nach Chenini gefahren, die aber für ihren Mercedes auch nicht ohne war.
Wir beschließen, uns morgen früh,
wenn noch keine Touris da sind, Chenini anzusehen.
Zum Übernachten wollen Elke und
Helmut auf dem Parkplatz stehen bleiben, aber Ralf und ich entscheiden uns für
die kleine Palmenoase 3 km zurück, die im Vorbeifahren recht schnuckelig
aussah. Wir verabschieden uns also und fahren die Straße zurück.
An unserem Plätzchen angekommen
will Ralf sich eine Kunststoffmanschette unter dem Wagen ansehen, die schon ziemlich zerfleddert
aussah. Ich fange derweil mit den Essensvorbereitungen an und koche Kaffee.
Plötzlich höre ich ihn fluchen!
Ganz zufällig stellt er fest, daß die Hauptantriebswelle wahnsinnig viel Spiel
hat und schon 2 Lager des Kreuzgelenkes ausgeschlagen sind. Wir haben ein wahnsinniges Glück
gehabt, daß uns die ganze Sache nicht irgendwo um die Ohren geflogen ist –
womöglich noch auf dieser einsamen Piste heute! Wenn das passiert wäre, hätte
es uns wahrscheinlich auch noch das Getriebe zerlegt.
Das heißt für uns jetzt erstmal
Endstation – so können wir auf keinen Fall weiterfahren.
Wir halten Kriegsrat und überlegen,
was jetzt zu tun ist. Es wird uns nichts anderes übrig bleiben als irgendwie an
eine neue Welle zu kommen, will heißen Ersatzteil in Deutschland bestellen.
Tataouine ist 20 Kilometer entfernt und am sinnvollsten wäre es, da wir vom
Touristenbüro in Tataouine die Anschrift haben, das Teil dorthin schicken zu
lassen. Aber wie hinkommen und vor allem wie in Kontakt bleiben, da ja unsere
Handys nicht funktionieren?!?
Ich dränge darauf, sofort nach
Chenini zu laufen und vom Hotel aus zu telefonieren. Wobei ich auf dem Wege aber
unbedingt bei Helmut und Elke einhalten möchte – vielleicht haben die beiden
eine Lösung und es ist vielleicht nicht schlecht, wenn noch jemand weiß, was
mit uns los ist.
Also lassen wir alles stehen und
liegen, packen den Rucksack mit all unseren Wertsachen, Taschenlampe und wandern
los. Um 19.30 Uhr kommen wir bei Helmut und Elke an und erzählen, was los ist.
Sie sind unglaublich hilfsbereit. Elke macht uns erstmal einen Kaffee und
Helmut, dessen Handy funktioniert, bietet uns gleich an, von seinem Gerät aus
zu telefonieren.
Wir überlegen, wem wir die
Ersatzteilbeschaffung anvertrauen und entscheiden uns für unser Orga-Talent
Alex. Die Freude bei ihm ist groß, Ralf am Telefon zu hören und als er unsere
Probleme erfährt, ist er natürlich gleich bei der Sache.
Er wird also das Teil bei IFA in
Ludwigsfelde bestellen, notfalls auch noch für uns in Vorkasse treten und es
schnellstmöglich zum Syndicat d’Initiative nach Tataouine schicken lassen.
Wir müssen dann halt zusehen, daß
wir uns die nächsten Tage irgendwie mit Bus, Taxi und Louages fortbewegen. Blöderweise
ist es Freitagabend und vor Montag wird eh nichts passieren.
Gott sei Dank – die Sache läuft
schon mal und ist bei Alex in den besten Händen.
Elke kramt auch noch ein Schnäpschen
hervor und Helmut überlegt, ob es nicht funktionieren könnte, uns bis
Tataouine zu schleppen. Das wäre für uns natürlich eine
Wahnsinns-Erleichterung und wir beschließen, es morgen einfach zu versuchen.
Die Strecke müsste eigentlich ohne Steigungen sein und so könnte es klappen.
22.03.03
Morgens baut Ralf die Welle schnell
noch mal ein, damit wir wenigstens aus unserem Palmenhain herausrangieren können.
Wir stehen gerade fast an der Straße, da kommen Elke und Helmut auch schon
angefahren.
Der
Bergegurt kommt zum 2. Mal zum Einsatz und los geht es. Wir haben ca. 4
Kilometer bis Chenini vor uns und dann noch einmal 20 Kilometer bis
Tataouine. Es klappt jedoch alles wunderbar, weil es meist etwas abschüssig
ist. Ein Stück hinter Chenini kommt eine kleine Steigung, den der Mercedes der
beiden dann aber doch nicht schafft, weil wir keine Möglichkeit zum
Anlaufnehmen haben. Kurz vor dieser Stelle hatten wir jedoch einen Traktor mit Hänger
überholt, der uns jetzt wieder einholt. Ralf hält den Fahrer an und versucht
ihm klarzumachen, daß er uns über die Kuppe ziehen soll. Auch das gelingt –
Ralf bedankt sich bei ihm mit einer Schachtel Ziggis, die er hoch erfreut
annimmt, und wir schaffen die restliche Strecke bis Tataouine problemlos.
Dank „Reise-know-How“ finden wir
das Syndicat auf Anhieb und parken unser Dickerchen geradewegs davor. Puh, das wäre
geschafft!
Ich gehe gleich ins Büro und lege für
alle Fälle erstmal meinen Wisch für die Sperrgebiets-Genehmigung vor. Wer weiß,
vielleicht können wir ja trotzdem irgendwie noch ein paar Tage reinfahren, wenn
alles wieder in Butter ist.
Wir sind der Dame schon bekannt –
dank des Faxes vom Campingplatz in Douz aus – und die Genehmigung wird gegen
13.00 Uhr fertig sein.
Mit Hilfe eines englischsprechenden,
tunesischen Tourguides kann ich ihr dann auch unser Anliegen in Sachen
Ersatzteil klarmachen. Wir erklären ihr, daß wir das Teil in Deutschland
bestellt haben und es hoffentlich innerhalb der nächsten 5 Tage
hierhergeschickt wird. Das geht auch so in Ordnung.
Ein Italiener, der eine Geländewagen-Reisegruppe
leitet, bekommt die Geschichte mit und rät uns, auf jeden Fall im Ort nach
einem Mechaniker zu suchen. Er meint, er sei sicher, daß die Panne hier im Land
behoben werden könnte, ohne daß wir etwas aus Deutschland bestellen müssten.
So dackeln Ralf und ich mit unserer
defekten Welle unterm Arm los, um irgendjemanden zu finden, der uns weiterhelfen
kann. An der erstbesten Moppedwerkstatt frage ich, wo es Ersatzteile für
LKW’s gibt. Ein älterer Mann mischt sich ein und winkt uns, mit ihm zu
kommen. Er latscht wirklich durch ganz Tataouine mit uns und wir versuchen unser
Glück in mehreren Teileläden und Werkstätten. Ein Laden hat tatsächlich
besagtes Kreuzgelenk, das defekt ist, nur leider ist es zu klein.
Unverrichteter Dinge kommen wir zurück
und sehen leider gerade noch, wie Helmut und Elke ihren Wagen wenden und
abfahren – so ein Mist! Wir werden sie anrufen, sobald wir wieder in
Deutschland sind!
Dann begeben wir uns auf
Parkplatzsuche – denn so kann der Dicke nicht 4-5 Tage stehenbleiben. Direkt
an der Hauptstraße bekommen wir ja kein Auge zu.
Ein paar Meter weiter ist das
„Hotel Gazelle“ mit einem großen Parkplatz, wo wir nachfragen. Der deutsch
sprechende Chef kommt dazu und will uns nur für’s Parken 10 DN pro Tag abknöpfen!
Wir könnten natürlich auch ein Zimmer haben – um am besten auch noch mit
Halbpension! Na, klasse – so ein Halsabschneider! Wir sagen, daß wir es uns
überlegen und machen uns schleunigst vom Acker.
Ein österr. Pärchen, das auch auf
seine Genehmigung wartet, ist auch immer noch da und er erzählt uns von einer
Werkstatt, die ihm vor 2 Jahren helfen konnte, als er Probleme mit den Federn am
Fahrzeug hatte. Kurzerhand schwingt er sich auf’s Motorrad, wurschtelt sich
die Welle irgendwie zwischen seine Bauchtasche und fährt los. 10 Minuten später
kommt er mit ‚nem „Mofa-Typ“ zurück. Dieser meint, er kenne eine
LKW-Werkstatt, die das garantiert reparieren könne. Wir einigen uns, daß er
mit dem kaputten Teil dorthin fährt und es sei alles überhaupt kein Problem.
So weit so gut...Eine weitere halbe
Stunde später kommen sie zu zweit auf dem armen Mofa zurück, daß auch schon
bedenklich quietscht und knarrt. Unsere Welle ist schon auseinandergebaut und
die beiden wollen 30 DN Vorschuss für das Neuteil haben. Der andere Mechaniker
meint, sie bräuchten nochmal eine halbe Stunde und dann wäre alles fertig.
Wir fassen es nicht! Das wäre ja zu
schön, um wahr zu sein!
Es dauert dann doch noch eine
Stunde. In der Zwischenzeit ist unsere Genehmigung schon fertig (28 DN). Astrid
flaxt schon rum – womöglich wären wir jetzt noch eher im Sperrgebiet als
sie!
Unsere beiden rettenden Engel kommen
wieder. Ein nagelneues Kreuzgelenk ist eingebaut. Es ist etwas größer als das
Original und deshalb passten die Sprengringe nicht mehr. Aber kein Problem, um
es zu halten, haben sie einfach kleine Stahlstreben drübergeschweißt. Das
Ergebnis sieht abenteuerlich aus, aber auch der Italiener, der wohl etwas von
LKW’s versteht, sieht sich die Arbeit an und meint, das dürfte o. k. sein.
20 Minuten später ist alles wieder
im Lot. Der Mechaniker bekommt nochmal 35 DN für die Arbeit und unser
Dickerchen ist wieder fahrbereit. Wir sind überglücklich!
Ich gehe erstmal telefonieren, um
bei Alex Entwarnung zu geben. Leider erreiche ich ihn nicht und da wir ja jetzt
Richtung Sperrgebiet abdüsen und somit nicht mehr erreichbar sein werden, rufe
ich Corina an und bitte sie, Alex Bescheid zu geben. Wir quatschen noch ‚ne
Weile, ich erzähle ihr die ganze Geschichte und sie berichtet irgendetwas von
11 Motorradfahrern, die in Algerien vermisst seien. Hm, noch nichts von gehört....aber
das sollte sich ja noch richtig zuspitzen in den nächsten Wochen!
So bewahrheitet sich dann Astrid’s
Prognose. Die Genehmigung für die beiden ist heute nicht mehr zu bekommen, weil
der Chef zum unterschreiben nicht greifbar ist. Morgen ist Sonntag, also heißt
es Warten bis Montag. Klaus ist tierisch sauer und ärgert sich, daß er’s
nicht auch gefaxt hat. So starten wir tatsächlich vor ihnen Richtung Remada.
Auf halber Strecke machen wir
nochmal einen „Service-Stop“. Ralf schmiert alles ab, was abzuschmieren geht
– sowas passiert uns nicht nochmal – und bastelt eine improvisierte
„Manschette“ aus Gefrierbeutel und Panzertape. Ich koche derweil Miracoli
– unser erstes Essen seit gestern früh! Wir sind beide so froh!
Gegen Abend kommen wir in Remada an. Wir kaufen noch Tomaten und Orangen ein und suchen uns etwas abseits der Straße Richtung libysche Grenze einen Übernachtungsplatz